Die Geschichte des Hauses

Wer baut ein herrschaftliches Patrizierhaus in französischem Stil im Jahr 1782 in die Bündner Berge? Wir sind auf die Spurensuche gegangen. Hier der Stand unserer Nachforschungen Stand Februar 2017

1782 erbaute Ludwig Hercules Caspar Deodatus de Caprez (1736–1799) (*1) das Haus Caprez neben dem elterlichen Haus Tödi. Ob er es für sich selbst oder für seine Schwestern baute, die den Brüdern im Tödi das Leben schwer machten – das bleibt wohl ein ungelöstes Rätsel. Er heiratete vermutlich erst danach Maria Regina Elisabeth Derungs (1765), denn die erste von 4 Töchtern kam erst 1789 zur Welt. 1799 starb Ludwig de Caprez. Die jüngste Tochter Maria Ludovica de Caprez (1797) heiratet 1821 Mistral Jakob Anton de Lombris (1798-1880) und blieb offensichtlich im Besitze des Hauses Caprez.

(*1 – Ludwig Herkules Caprez entstammt der Ehe von Mathias Caprez (1705) und Dorothea Nay. Seine Grosseltern waren Hercules Caprez und Barbara de Turre aus Brigels. Ludwig hatte einen Bruder, Landrichter Adalbert Benedikt (1740–1805) und 2-3 Schwestern.)

Das Erbe von Adalbert Benedikt sen., (die heutige Casa Tödi)  wurde 1805 an 4 Erbparteien übergeben: Sohn Conradin, Enkel Benedikt Anton (1800-?) Sohn von Benedikt jun.) und die 2 Schwiegertöchter Margarita und Dorothea. Noch ist nicht bekannt, welche zu welchem Sohn gehörte. Die Söhne waren im Krieg gefallen ausser Conradin. (Mathias 1774, Ludwig Adalbert 1776, Benedikt jun. 1778–1801, Conradin 1780–1865) Der Sohn Benedikt Juniors, Benedikt Anton (1800–? aus Lenz) war ebenfalls für Frankreich im Krieg, heiratete eine Französin und hinterliess 2 Töchter in Frankreich. Conradin Caprez hatte einen Sohn Leutnant Conrad Caprez. Dieser wanderte 1854 nach Amerika aus, sein Sohn Partial Benedikt (1840–1864) wiederum fiel im Bürgerkrieg in Nord-Amerika. Das war der letzte direkte Nachkomme der Familie Caprez.

Aus der Ehe von Maria Ludovica de Caprez und Jakob Anton de Lombris entsprossen 4 Kinder (2 Töchter und 2 Söhne). Ein Sohn blieb unverheiratet, der andere, Bruno Lombris (1830-1908), studierte 1847 in Sitten und war 1861 und 1866 Abgeordneter des Grossen Rates und 1867–1869 Landammann der Cadi. Er heiratete 1860 Sabina Condrau. (*2) Deren Tochter Sabina Lombris (1866–1940) heiratete im Jahr 1886 Sepp Fidel Desax (1848–1913). Er gehörte zu den Bündner Zuckerbäckern, war Hotelier und besass ein Hotel mit Konditorei in Madrid. Nach anfänglichem Wohnsitz in Spanien, zog die Familie wieder nach Trun, da der jungen Mutter das Klima in Spanien nicht bekam. Sepp Fidel kaufte seinem Schwiegervater Bruno Lombris das Haus ab. Er liess grosse Specksteinöfen einbauen und renovierte das Haus 1904.

(*2 – Sabina Condrau war die Schwester von Dr. med. Augustin Condrau, dem Vater von Dr. med. Leo Condrau-Muheim. An ihn anno 1925 in Trun adressierte Urner Zeitungen fanden sich unter den Novilonböden im Zimmer 21. Hat er im Haus gelebt?)

nachkommen-von-giusep-fidel-und-sabina-desax-ca-1900

(Die Kinder von Giusep Fidel und Sabina Desax-de Lombris (v.l.n.r. Wilhelm, Augustin, Mathilda, Joseph, Oskar, Sabina) ca. 1902)

Der Ehe entstammten 6 Kinder, darunter Augustin Desax (1896–1993), der zuletzt mit seiner Nichte und Haushälterin, Mathilda Pajarola (Tochter von Sabina Desax und Joachim Pajarola (1882–1964) im 2. Stock wohnte. (*3)

(*3 – Augustins Bruder, der Erstgeborene Dr. iur. Josef Desax studierte in Disentis. Es gibt eine Zeichnung seiner Klosterzelle und eine Postkarte von 1906 von seiner Schwester an ihn. Oscar (1888) war Dr. med. und hat zeitgleich mit Dr. med. Leo Condrau in Zürich Medizin studiert.)

sabina-und-mathilde-desax-ca-1910

(Mathilde und Sabina Desax ca. 1910)

Truns, Bündner Oberland, 865 m
Poststempel 13.8.1919

1998 verkaufte die Erbgemeinschaft Desax die Casa Desax an die Unternehmung Tarcisi Maissen SA, die das Haus 2015 an Susanne Hollenstein weiter verkaufte.

Bilder: Fotostiftung Graubünden, Privatarchiv Eleonora Schnyder-Fellmann

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